Ein Geschenk zur rechten Zeit

Die Fahne des Schwabmünchner Arbeiter-Kranken-Unterstützungsvereins

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Es ist ein besonderer Glücksfall, wenn mitten in den Recherchen für eine Ausstellung ein Objekt gespendet wird, das sich als wichtiges und ideales Exponat für diese Ausstellung erweist.
Nach Auflösung des Arbeiter-Kranken-Unterstützungsvereins Schwabmünchen erhielt das Museum von Herrn Wehringer die Fahne des Vereins. Sie ist super erhalten und wird gerade inventarisiert. Und sie ist bereits "gebucht" als eines der Ausstellungsstücke für ein Projekt, das gerade in Arbeit ist.
Ein herzliches Dankeschön an den Verein und Herrn Wehringer.
Der Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein Schwabmünchen wurde gegründet, um Arbeitern, die aus Krankheitsgründen nicht arbeiten konnten und daher keinen Lohn erhielten, Hilfe zukommen zu lassen. Auch Hinterbliebene wurden unterstützt. Die Hilfen wurden aus den Aufnahmegebühren und den Mitgliedsbeiträgen finanziert.
Um die Jahrhundertwende gab es eine ganze Reihe von Gründungen solcher Vereine. Den Schwabmünchner AKUV gab es seit 1896. Seine Fahnenweihe hatte er 1899.
Doch auch die Mitglieder dieser sozialen Vereinigung waren keine Kinder von Traurigkeit. Schon ein paar Jahre später ging eine Anzeige bei der Gemeinde ein, dass die Mitglieder im Vereinslokal "bis in die frühen Morgenstunden zechten" und danach durch Lärm und Belästigung der Anwohner negativ auffielen. Das zog eine Ermahnung an den Vereinsvorstand nach sich, dem persönlich Konsequenzen angedroht wurden, wenn die Randale sich wiederholen würde.
Strenge soziale Kontrolle und eine durchaus nicht immer gutmütige Beobachtung durch die Obrigkeit waren damals an der Tagesordnung.
Und Kontrolle übte auch der Verein gegenüber seinen Mitgliedern aus. Wer krank wurde, bekam einen Besuch vom sogenannten "Kranken-Controleur", der dem Vorstand über die Schwere der Krankheit berichtete und dem es oblag, im Zweifelsfall ein ärztliches Zeugnis einzufordern, das dann der Kranke zu bezahlen hatte. Lagen innerhalb eines Jahres mehrere ernsthafte Erkrankungen vor, konnte der Vorstand entscheiden, ob eine weitere Unterstützung erfolgte.
Auch wenn die Unterstützung also nicht dauerhaft verlässlich war und es sich auch in der Höhe der Hilfen keinesfalls um "Lohnersatzzahlungen" handelte, bedeutete die Gründung von Arbeiter-Kranken-Unterstützungsvereinen doch einen großen Schritt vorwärts im Kampf für soziale Absicherung und gegen die Verarmung von Arbeitern, die sich so noch einigermaßen über Wasser halten konnten. Dies war natürlich auch im Interesse der Gemeinden, die sonst in etlichen Fällen etwa durch Gewährung von Unterkunft in Armenhäusern, hätten einspringen müssen.

 

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